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Feldhasen

Aufzucht von Feldhasen

Beitrag von Silke Rostek

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Feldhase

Foto: BSWR

Hasen säugen ihre Jungen nur 1 – 2 mal am Tag. D. h., die Jungen sitzen irgendwo auf dem Feld in einer Mulde (Sasse) und warten auf ihre Mutter. Das erweckt oft den Anschein, die Kleinen wären von der Mutter verlassen und hilflos. In den meisten Fällen trifft das aber nicht zu.
Ein Notfall liegt vor, wenn das Hasenjunge beispielsweise von Krähen attackiert wird, wenn ein Hund oder eine Katze das Jungtier findet oder wenn es dem Hasen offensichtlich schlecht geht.
Junge Hasen sind geruchsneutral – wenn man den Kleinen also einmal angefasst hat, besteht die Gefahr, dass die Mutter durch den Fremdgeruch vertrieben wird und ihr Junges nicht mehr annimmt.

Oft werden Feldhasen mit Wildkaninchen verwechselt.
Feldhase und Wildkaninchen sind aber nicht miteinander verwandt.

Unterschiede Feldhase - Wildkaninchen

  Feldhase Wildkaninchen
Geburtsgewicht 100-150 g 45 g
Ausgewachsen 3-4 kg 1,3-2 kg
Verhalten der Jungen Nestflüchter, werden mit Fell, sehend Und hörend geboren. Liegen in einer Sasse Nesthocker, werden blind, taub und nackt geboren (im Bau)
Augen gelblichbraune Iris mit schwarzer Pupille fast schwarze Knopfaugen
Fell leicht gekräuselt und grau-bräunlich meliert liegt glatt an
Verhalten Einzelgänger, überwiegend Feldbewohner, zum Ruhen suchen sie eine Sasse auf. Lauftier Wildkaninchen leben in Kolonien, Baubewohner, Grabtier

Gedanken vor der Aufzucht

Feldhase

Foto: BSWR

Sollten Sie ein Feldhasenkind aufgenommen haben, müssen Sie sich dessen bewusst sein, dass Ihren Tagesablauf in den nächsten Wochen der Hase bestimmt. Diese Tiere sind enorm stressanfällig und reagieren auf zuviel Stress mit dem Tod. Der Hase lässt sich nicht in einen Käfig sperren. Auch wenn man es kaum glauben kann, eine handvoll Hase entwickelt in kürzester Zeit einen großen Freiheitsdrang. D. h., Sie müssen dem Tier genügend Auslauf gewähren. Da Feldhasen nachtaktive Tiere sind, macht das die Sache nicht leichter – wenn Sie schlafen wollen, will und muss der Hase sich frei im Zimmer bewegen können (das Zimmer muss hasensicher sein). Die meiste Zeit des Tages wird das Feldhasenkind vor sich hindösen.
Es sollten keine anderen Haustiere wie Hund und Katze mit dem Hasen in Kontakt kommen. Das sind seine natürlichen Feinde und es würde später für ihn den sicheren Tod bedeuten, wenn er keine Angst vor ihnen hat. Auch ist davon abzuraten ein Wildtier großzuziehen, wenn kleine Kinder im Haushalt leben, natürlich kann der Feldhase auch Krankheiten übertragen.
Nach ca. 10–12 Wochen muss der Hase ausgewildert werden. Es ist verboten Wildtiere zu halten. Sie sollten die Möglichkeit haben, ihn auf seine Freiheit mit einem großen Freigehege vorzubereiten. Wird der Hase „vom Sofa“ aus ausgewildert, kennt er weder Wind und Wetter, noch die Geräusche der Vögel usw. Das alles würde ihn zu sehr verwirren denn er braucht seine ganze Aufmerksamkeit um „draußen“ zu überleben – leider ist die Freiheit nicht gerade ungefährlich.
Ein Feldhase ist nicht mit einem Kaninchen zu vergleichen und als Haustier völlig ungeeignet!

Die Aufzucht:

Der kleine Feldhase ist erst einmal verschreckt wenn Sie ihn aufgenommen haben und möchte seine Ruhe und sich verstecken. Die Möglichkeit sollten Sie ihm erst einmal geben. Setzen Sie ihn in einen großen Kiste Kaninchenkäfig, der mit Handtüchern ausgelegt ist und stellen Sie einen Schuhkarton o. ä. als Versteckmöglichkeit in den Käfig. Sie können von Anfang an eine Handvoll Heu anbieten. Diese Unterkunft eignet sich nur für die ersten Tage! Auch kleine Hasen können schon hoch springen, bitte sein neues Quartier so sichern, dass er nicht hinaus kann, sonst würde er sich irgendwo verstecken, wo Sie ihn vielleicht nicht wiederfinden.

Jetzt müssen Sie folgendes besorgen:
Katzenaufzuchtmilch
Kepinol-Saft für Kinder (verschreibungspflichtig)
1 ml SpritzenBene-Bac (Tierarzt)
Sab simplex Tropfen (Apotheke)
gegen Blähungen Kümmel-Fenchel-Anis Tee Fläschchen (sehr gut geeignet von Beaphar – Tiergeschäft)
Korvimin ZVT (Tierarzt)
Wiegen Sie den Feldhasen auf einer Küchenwaage, so können Sie sehen, ob der kleine Hase zunimmt, und so genug Milch trinkt. In den ersten Tagen ist es normal, daß er erst einmal an Gewicht verliert. Das muß sich aber in Grenzen halten und dann bald aufwärts gehen.

Zubereitung der Ersatzmilch:

Bereiten Sie den Tee zu und lassen ihn etwas abkühlen. Dann geben Sie zu einem Teil Katzenaufzuchtmilch 2 Teile Tee. Die Temperatur sollte beim Füttern ca. 39 °C betragen (am besten mit Bratenthermometer messen). Geben Sie eine Messerspitze Korvimin pro Tag/Flasche dazu. Hasen haben sehr empfindliche Knochen, die leider sehr schnell brechen. Korvimin ist ein Calciumgemisch, welches den Knochenaufbau unterstützt. Nur Calcium würde nicht viel bringen, da das Calcium-Phosphor-Verhältniss stimmen muß. Bitte keine zusätzlichen Vitamine ins Fläschchen geben.

Füttern:
Anfangs füttern Sie mit der Spritze (ohne Nadel). Der Hase wird sich gegen die neue Milch erst einmal wehren und Sie werden ihn nur zu wenigen Tropfen überreden können. Den Feldhasen nicht auf den Rücken legen und mit viel Geduld füttern. Wenn Sie versuchen ihn zum Trinken zu zwingen, wird er sich verschlucken und dann kann es schnell zu einer Lungenentzündung kommen, da der Hase die Milch nicht „aushusten“ kann, und so die Milch in der Lunge bleibt. Nach der Fütterung bekommt das Tier 0,1 ml Kepinol Saft (gegen Kokzidien) und Bene-Bac (Milchsäurebakterien)
Den Feldhasen nach der Fütterung zurücksetzen, bitte nicht auf Wärmeflasche oder unter Rotlicht, das ist nur bei ganz geschwächten Tieren notwendig sonst besteht die Gefahr, das der Hase austrocknet.
Alle 4 Stunden sollte das Hasenkind nun gefüttert werden (Nachts ist eine Fütterung nur bei ganz schwachen oder kranken Tieren erforderlich).

Sobald der Kleine die Milch annimmt, sollte man mit der Flasche weiterfüttern und die Milchmenge langsam steigern, nie zu viel auf einmal füttern, da Hasen ein sehr empfindliches Verdauungssystem haben und schnell unter Blähungen leiden, die zum Tod führen können.
Den Kepinolsaft eine Woche lang nach dem Fläschchen geben.
Ab ca. 300 g fängt man an dem Hasen zusätzlich zur Milch Grünfutter zu reichen – am besten die Nahrung, die er auch später in der Natur findet (z. B. Gras, Löwenzahn, Luzerne, Gänseblümchen usw.) außerdem kann man Möhren, Möhrengrün, Rucola, Apfel und Haferflocken geben.
Frische Zweige (ungiftig z. B. Weide)
Mit der Zufütterung bitte ganz langsam und in kleinen Mengen beginnen, Hasen sind sehr empfindlich!
Die Ersatzmilch füttern Sie bitte auf jeden Fall weiter, bis der Hase ca. 800 g wiegt, auch wenn er schon alleine frisst.

Aufzucht von Eichhörnchen, Hasen etc.

Eichhörnchen

Foto: W. Klawon

privat Herne
Silke Rostek
Herne
Tel.: 0 23 25 / 46 77 82
Mobil 0172 / 3 58 74 50

Letzte Anpassung am 20.09.2017 um 08:52:39 Uhr

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